Orthetik in der Orthopädietechnik

In der Orthopädietechnik unterscheidet man die klassischen Fachgebiete Prothetik und Orthetik. Während eine Prothese ein Körperteil ersetzt, hat eine Orthese die Aufgabe ein Körperteil oder eine Körperfunktion zu unterstützen.

In der traditionellen Orthetik übernehmen Orthesen eine rein stützende Funktion. Sie kompensieren verlorengegangene Mobilität durch Stabilität oder fixieren und entlasten pathologisch betroffene Bereiche. Typische Beispiele sind Sprunggelenk- oder Knieorthesen nach Bandabrissen.
Auch bei neurologischen Indikationen mit Lähmungserscheinungen der unteren Extremitäten, z. B. nach einem Schlaganfall, stehen in der klassischen Orthetik die stützenden Funktionen im Fokus. Ein berühmtes Beispiel für solche Lähmungsorthesen kennt man aus dem Film „Forrest Gump“. Weltweit repräsentiert dieser technologische Stand leider noch immer eine weit verbreitete Form der Versorgung von Patienten mit Lähmungen. Der im allgemeinen Sprachgebrauch genutzte Begriff „Schiene“ für ein solches Hilfsmittel steht für diese Form der orthetischen Versorgung und beschreibt deutlich, dass sie ein Bein eben nur schient und nicht die neurologischen und anatomischen Funktionen (re-)aktiviert. 
Auf politischer Ebene wurde die Entwicklung moderner Techniken für Prothesen weltweit gefördert, insbesondere in den Zeiten der großen Kriege. Die Entwicklung von modernen Technologien für die Orthetik stand hingegen nie im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung.

Während die „Schienen“ aufgrund ihrer althergebrachten Technik, schlechter Funktionalität und geringer Individualisierung mehr und mehr durch Rollstuhlversorgungen abgelöst wurden, hat sich FIOR & GENTZ seit seiner Firmengründung im Jahr 1997 intensiv dem Fachgebiet der individuellen neurologischen Orthetik gewidmet. Die unüberschaubare Anzahl von diversen Ursachen und Ausprägungen von Lähmungserscheinungen macht dieses Fachgebiet zu einer besonderen Herausforderung. FIOR & GENTZ hat die Herausforderung angenommen und sich im Laufe der Jahre zunehmend der orthetischen Versorgung von Patienten mit Lähmungen gewidmet.

Neue Versorgungskonzepte

Inzwischen werden Versorgungskonzepte für die moderne Orthetik angeboten, die die neurologischen und anatomischen Funktionen nicht einschränken, sondern fördern. Der grundlegend neue Ansatz hierfür ist die Kombination der klassischen Stützfunktion mit einem dynamischen Ansatz, welche lange Zeit konkurrierende Ansätze in der Therapie darstellten. Mit dem neuen Ansatz werden neurologische Funktionen aktiviert bzw. reaktiviert, die dann zu einer physiologischen Funktionsübernahme der anatomischen Strukturen führen.

FIOR & GENTZ ist Spezialist für die Entwicklung von mechanischen Gelenken, die mit ihrer Technik sowie der zugehörigen Sensorik und Elektronik, den Bau von modernen Beinorthesen möglich machen. Die Entwicklung der Orthesengelenke und zugehörigen Bauteile orientiert sich konsequent an dem Ansatz dynamische und stützende Element zu kombinieren.

Es werden Konzepte und Arbeitstechniken zum Bau von modernen Beinorthesen für Patienten mit Lähmungserscheinungen der unteren Extremitäten entwickelt, die in ganzheitliche Versorgungsstrategien eingebettet sind. Dabei verfolgt FIOR & GENTZ das Ziel, Orthopädietechniker weltweit zu schulen, damit deren Patienten auf einem Niveau versorgt werden können, dass sie dazu befähigt am gesellschaftlichen Alltagsleben teilnehmen zu können.

Die Anforderungen an jede individuell gefertigte Orthese werden zielgerichtet nach den neurologischen und anatomischen Erfordernissen des Krankheitsbildes mittels des Orthesen-Konfigurators errechnet. Dieses Planungstool wurde von FIOR & GENTZ entwickelt und steht weltweit allen Nutzern mit einem Internetzugang kostenlos und uneingeschränkt zur Verfügung. Errechnet wird ein Vorschlag zur Herstellung einer maßgefertigten Beinorthese, die exakt auf die individuellen Anforderungen des Patienten zugeschnitten ist.

Das Erhalten oder Wiederherstellen der Steh- und Gehfunktion ist dabei die wichtigste Aufgabe des Orthopädietechnikers. Sie soll dem Patienten die Abhängigkeit von Rollstuhl, Rollator oder Gehstützen nehmen bzw. diese soweit verringern, dass er die Hände frei hat, um alltägliche Dinge auch im Stehen oder Gehen ausführen zu können.

Beinorthesen bei Lähmungserscheinungen

Beim Bauen moderner Beinorthesen für Patienten mit neurologischen Lähmungserscheinungen ist es wichtig zu wissen, um welche Lähmungskategorie es sich handelt:

  • Periphere Lähmung, z. B. Poliomyelitis (Kinderlähmung) oder Multiple Sklerose (MS)
  • Spinale Lähmung, z. B. aufgrund einer Spina Bifida oder Querschnittlähmung
  • Zentrale Lähmung, z. B. aufgrund eines Schlaganfalls oder einer Cerebralparese(CP) 

Muskelketten, die die Hauptgelenke der Beine beim Stehen und Gehen sichern, funktionieren bei peripheren Lähmungen nur unzureichend. Bei spinalen Lähmungen werden sie nicht vollumfänglich mit Impulsen versorgt und bei zentralen Lähmungen mit falschen Impulsen des Gehirns angesteuert.

Bei den peripheren und spinalen Lähmungen steht oft die sicherheitsgebende Stützfunktion im Vordergrund, während bei den zentralen Lähmungen, mithilfe der Stützfunktion, physiologische Bewegungsabläufe im Gehirn neu programmiert werden sollen. Das soll die physiologische Ansteuerung der Muskeln verbessern.

Bei allen drei Lähmungskategorien entwickeln die betroffenen Patienten sehr häufig Kompensationsmechanismen, die ein atypisches Stehen und/oder Gehen zur Folge haben. Durch diese Mechanismen wird muskulär verlorengegangene Sicherheit beim Stehen oder Gehen kompensiert. Die Patienten haben Angst zu stürzen und nutzen diese Bewegungsmuster, um an alltäglichen Dingen im Leben teilnehmen zu können, ohne zu Fallen. Dies resultiert zwangsläufig in einer erhöhten Abnutzung der Gelenke, Rückenschmerzen und anderen Beschwerden.

Einige häufig zu beobachtende Beispiele verdeutlichen das:

  • Ein Mensch mit voll funktionsfähigen Muskeln nutzt die volle Länge seiner Füße zur Vergrößerung der Standfläche, wodurch er beim Stehen im stabilen Gleichgewicht bleibt. Die dabei auftretenden Hebelkräfte werden insbesondere mithilfe des Vorfußhebels in Kombination mit der Wadenmuskulatur realisiert. Bei Menschen mit eingeschränkter Funktion der Wadenmuskulatur kann beim Stehen beobachten werden, dass diese sich häufig mit sichtbarer Oberkörpervorneigung auf Gehstützen oder Ähnlichem abstützen. Dadurch wird die Unterstützungsfläche am Boden künstlich vergrößert. Für diese Patienten ist das notwendig, weil deren Muskulatur den zum Stehen erforderlichen Vorfußhebel nicht aktiveren kann.
  • Beim Gehen beobachtet man bei vielen Patienten mit Lähmungen, dass sie ihre Füße nach innen rotieren, um das Knie vor den kinematischen Kräften zu schützen, die in Gehrichtung wirken und das Knie zum Einknicken bringen würden.
  • Manche Patienten überstrecken das Knie ihres gelähmten Beines beim Stehen und/oder Gehen, um das Knie vor dem Einknicken in Beugerichtung zu schützen.

Insbesondere bei zentralen Lähmungen werden solche Kompensationsmechanismen häufig passiv in Form von Spastiken hervorgerufen. Das Gehirn gibt in diesen Fällen unbewusst den Impuls für eine übertriebene Sicherheitsmaßnahme und zwar in dem Moment, wenn ein Signal des Sicherheitsbedürfnisses gesendet wird.

Das Ziel einer orthetischen Versorgung

Eine moderne Beinorthese hat immer die Aufgabe, verlorengegangene muskuläre Sicherheit so auszugleichen, dass der Patient möglichst wenig in seinem Bewegungsumfang eingeschränkt wird und gleichzeitig die notwendige Sicherheit durch externe Kräfte erlangt. Die erforderliche Sicherheit steht dabei stets im Vordergrund dieses häufigen Abwägens.

Oberstes Ziel einer Versorgung ist sicheres Stehen, was in der Orthetik durch stützende Elemente erreicht werden muss. 

Die logische Folge aus wiedererlangter Sicherheit durch ausreichende Stabilität ist ein möglichst physiologisches Gehen. Dies kann nur erreicht werden, wenn die dynamischen Elemente in die Orthese eingebracht werden können, ohne die stützenden Elemente zu vernachlässigen. Physiologisches Gehen ist die Königsdisziplin der modernen Beinorthetik. Wird eine passende Kombination für einen Patienten gefunden, können Folgeerkrankungen, die vorwiegend durch Bewegungsmangel und unphysiologische Gangmuster entstehen, vermieden werden.


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