Angie mit KAFO

Anwendergeschichte von Angie Kühnke

trägt eine Orthese mit NEURO TRONIC Systemkniegelenk und NEURO VARIO-SPRING Systemknöchelgelenk

Steckbrief

  • ist ehrenamtlich als "Grüne Dame" im Krankenhaus tätig
  • hat zuletzt im sozialen Bereich gearbeitet
  • Musikliebhaberin
  • erste Orthese 2011

2008 wird Angie aufgrund eines Bandscheibenvorfalles operiert. Sie kann sich nicht gut bewegen, hat Schmerzen und ihre rechte Seite ist gelähmt. Doch auch nach der OP bleibt ihr rechtes Bein gelähmt. Dieses und weitere Anzeichen lassen die Ärzte vermuten, dass sie unter Multipler Sklerose (MS) leiden könnte. Für eine abschließende Diagnose steht Angie ein Jahr unter ärztlicher Beobachtung und wird diversen Tests unterzogen. Nach einem Jahr folgt die Gewissheit: Sie hat MS.

Vom Rollstuhl zur Orthese - Angies Weg mit Orthese

In vielen Artikeln wird Multiple Sklerose die Krankheit mit den 1000 Gesichtern genannt: Lähmungen, Müdigkeit, Schwindel und Sehstörungen sind nur einige der Symptome, die auftreten können. Heilbar ist die Krankheit nicht, aber man hat nach heutigem Stand der Medizin lange Zeit eine hohe Lebensqualität.

Als Angie die Diagnose mitgeteilt bekommt, weiß sie nicht, was auf sie zukommt. Die Krankheit verläuft bei jedem anders. In der Regel erfolgt eine medikamentöse Behandlung, um die auftretenden Schübe besser in den Griff zu bekommen. 2011 erleidet sie aufgrund einer Medikamentenunverträglichkeit einen Herzstillstand und überlebt nur knapp. Danach kann sie weder gehen noch sprechen oder richtig essen. Alles muss sie neu erlernen.

Angie sagt, man braucht ein sehr stabiles Umfeld, um aus dem Loch, in das man zwangsläufig fällt, wieder herauszukommen. Ihre Freunde, Familie und ihr damals neunjähriger Sohn unterstützen sie in jeglicher Hinsicht. Ihr Sohn baut in der Wohnung einen Parcours aus Besenstielen und weiteren Hindernissen, damit sie ihre Beine heben muss. In seiner kindlichen Art sucht er Wörter, die besonders lang und schwierig sind. So wird das erste Wort, das Angie nach langer Zeit spricht "Honigkuchenpferd" sein.

Anfangs erhält sie einen Rollstuhl, dann Gehstützen und einen Rollator. Von Orthesen erfährt sie erst 2010 durch ein Sanitätshaus. Allerdings ist die Zuzahlung sehr hoch und das Wissen über Erfolgsaussichten so gering, dass diese Option für Angie nicht in Frage kommt. 2011 wird sie dann erneut auf eine orthetische Versorgung angesprochen. Es soll ein Meisterstück gebaut werden. Dies ist eine Chance, sich ganz unbedarft mit der Orthese auseinanderzusetzen und den hohen Kostenanteil muss sie auch nicht tragen.

Das Video zeigt Angie im Jahr 2010 kurz bevor sie die erste Orthese bekommt. Im nächsten Schnitt sieht man Angie 2017 ohne Orthese und mit ihrer jetzigen Orthese beim Gehen.

Die Versorgung und das Meisterstück werden ein Erfolg. Am Anfang hat Angie Angst, sich auf die Orthese zu verlassen. Sie hat kaum mehr Gespür in ihrem Knie und traut der Orthese nicht zu, ihr Gewicht zu halten. Sie geht mit zwei Unterarmgehstützen und sperrt das Kniegelenk, sodass die Orthese steif gestellt ist. Sie ist bald so sicher, dass sie mit dem Orthesengelenk im automatischen Modus gehen kann. Das bedeutet, dass die Orthese erkennt, wann das Gelenk frei durchschwingen kann und wann es gesperrt sein muss.
Rückblickend schätzt sie, dass sie vier bis sechs Wochen gebraucht hat, um sicher und mit nur einer Unterarmgehstütze gehen zu können. Der größte Faktor war hierbei nicht der Körper, sondern der Kopf - das Vertrauen zu haben, dass man nicht fällt, obwohl einen das eigene Bein eigentlich nicht mehr tragen kann.

Heute kann sie mit ihrer Orthese Rad fahren, sie jagt beim Geocaching den sogenannten "Schätzen" hinterher und kann mit ihrem Sohn Ausflüge machen. Sie lebt ihre Kreativität aus und gibt ihre Unterstützung bei ihrem ehrenamtlichen Job als Mitglied der Grünen Damen weiter. Angie verbringt die Zeit gerne mit den Kindern auf der Station und freut sich über jedes noch so kleine Lächeln. Das gibt ihr viel Kraft - auch für die Zeiten, in denen es ihr mal nicht so gut geht. Denn auch die gibt es und sie gehören zum Leben einfach dazu.