AFO in Gelenk-Eingusstechnik

AFO

in Gelenk-Eingusstechnik

In diesem Online-Tutorial wird die Herstellung einer AFO (ankle-foot orthosis/Unterschenkelorthese) in Gelenk-Eingusstechnik beschrieben. Bei der Gelenk-Eingusstechnik werden im Gegensatz zur Anker-Eingusstechnik die Systemanker und Systemkästen in das Laminat eingebettet. Als Beispiel ist folgende Bauweise gewählt worden:

  • unilateral
  • teilflexibles Fußteil
  • ventrale Schale
  • Gelenk-Eingusstechnik

Bei dem hier verwendeten Systemknöchelgelenk handelt es sich um ein NEURO SWING. Die Arbeitstechnik ist auf die Herstellung mit den Systemgelenken NEURO CLASSIC-SWING und NEURO SWING-CLASSIC übertragbar, da hier ähnliche oder gleiche Systembauteile verwendet werden. Für die Gelenkmontage NEURO SWING klicken Sie hier.

 Montage-/Gießdummy montieren

Schritt 1/1

Montieren Sie das Systemgelenk mithilfe des Montage-/Gießdummys entsprechend der Explosionszeichnung. Während des Gießens dient der Montage-/Gießdummy als Platzhalter für die Deckplatte des Systemgelenkes.
Hinweis: Explosionszeichnungen finden Sie in unserem Produktkatalog Systemgelenke und Systemgelenkschienen.

 Systemfußbügel/-anker schränken

Schritt 1/11

Markieren Sie zunächst die untere Kante des Montage-/Gießdummys auf dem Systemfußbügel. Alles oberhalb dieser Linie darf nicht verformt werden, da dieser Bereich (die Gelenkfläche) später Teil des Systemgelenkes ist.
Hinweis: Wenn Sie einen gekröpften Systemfußbügel erworben haben, entfallen die Arbeitsschritte 1-4.

Schritt 2/11

Um den Systemfußbügel zu schränken, spannen Sie ihn in einen Schraubstock mit glatten Backen. Achten Sie auf die Markierung, um Verformungen der späteren Gelenkfläche zu vermeiden und gelenknah schränken zu können.
Hinweis: Wenn Sie einen gekröpften Systemfußbügel erworben haben, entfallen die Arbeitsschritte 1-4.

Schritt 3/11

Passen Sie den Systemfußbügel an die Form des Modells an. Schränken Sie den Systemfußbügelhals mithilfe eines Schränkeisens. Schränken Sie nur in eine Biegerichtung.
Hinweis: Verwenden Sie keinen Hammer und erwärmen Sie das Material nicht.
Wenn Sie einen gekröpften Systemfußbügel erworben haben, entfallen die Arbeitsschritte 1-4.

Schritt 4/11

Nehmen Sie den Systemfußbügel aus dem Schraubstock und prüfen Sie den Abstand des Systemfußbügels zum Modell.
Hinweis: Wenn Sie einen gekröpften Systemfußbügel erworben haben, entfallen die Arbeitsschritte 1-4.

Schritt 5/11

Passen Sie den Systemfußbügel an die Form des Modells an. Schränken Sie den unteren Teil des Systemfußbügels mithilfe eines Schränkeisens. Schränken Sie nur in eine Biegerichtung.
Hinweis: Verwenden Sie keinen Hammer und erwärmen Sie das Material nicht.
Prüfen Sie den Abstand zum Modell.

Schritt 6/11

Passen Sie den Systemfußbügel an die Form des Modells an. Schränken Sie den Systemfußbügelfuß mithilfe eines Schränkeisens. Schränken Sie nur in eine Biegerichtung.
Hinweis: Verwenden Sie keinen Hammer und erwärmen Sie das Material nicht.
Prüfen Sie den Abstand zum Modell.

Schritt 7/11

Verpressen Sie Gelenkoberteil und Systemanker mithilfe einer Unterlegscheibe und einer Schraube. Nutzen Sie dafür einen Drehmomentschraubendreher und ein Drehmoment von 6 Nm. Entfernen Sie Unterlegscheibe und Schraube wieder. 

Schritt 8/11

Fixieren Sie den Systemanker mit der gelenkfernen Schraube im Gelenkoberteil, bevor Sie mit dem Schränken beginnen.

Schritt 9/11

Berücksichtigen Sie beim Schränken den einzuhaltenden Biegeradius und verwenden Sie geeignete Werkzeuge (rundes Schränkeisen).
Hinweis: Angaben zum Biegeradius finden Sie in der Produktbeilage Systemschienen und Systemanker.

Schritt 10/11

Überprüfen Sie den Abstand vom Systemanker und -fußbügel zum Gipspositiv. Achten Sie darauf, dass ausreichend Platz für die Profilierung und die Armierungslagen zur Verfügung steht, damit das Laminat später spannungsfrei bleibt und die Gelenkflächen parallel bleiben.

Schritt 11/11

Beschleifen Sie Systemfußbügel und Systemanker. Schleifen Sie immer in Walzrichtung. Entfernen Sie alle Macken vom Schränken und vermeiden Sie scharfe Kanten.
Hinweis: Systemknöchelgelenke mit einfeilbarem Dorsalanschlag sollten stets in ihrer werkseitig vorgesehenen neutralen Position ohne Veränderung des Dorsalanschlages montiert werden.

 Systemstrang fertigen

Schritt 1/12

Nutzen Sie das Aktivator-Spray als Grundierung, indem Sie es auf beiden Seiten des Systemankers sorgfältig aufsprühen. Beginnen Sie oberhalb des Montage-/Gießdummys.

Schritt 2/12

Nutzen Sie ein Stück Trikotschlauch als Unterlage zum Anbringen des Profilkernes. Erwärmen Sie den Profilkern und kleben Sie ihn von unten mit Sekundenkleber an den Systemanker.

Schritt 3/12

Ziehen Sie von beiden Seiten am Trikotschlauch und drücken den Profilkern von unten gegen den Systemanker, um ihn zu fixieren.

Schritt 4/12

Verstärken Sie den Profilkern der Unterschenkelschale. Tragen Sie Sekundenkleber auf dem Systemanker und Profilkern auf. Erwärmen Sie einen zweiten Profilkern und kleben Sie ihn auf den ersten.

Schritt 5/12

Beispiel für den Verlauf der verstärkten Profilierung bei einer unilateralen AFO.
Hinweis: Lassen Sie den Profilkern auf Raumtemperatur abkühlen, bevor Sie ihn vom Modell nehmen.

Schritt 6/12

Achten Sie darauf, dass ausreichend Platz für die Armierungslagen zur Verfügung steht, damit das Laminat später spannungsfrei bleibt und bspw. die Gelenkflächen parallel bleiben.

Schritt 7/12

Beispiel für den Verlauf des Profilkernes bei einer unilateralen AFO. Die doppelte Profilierung führt zu einer höheren Verwindungssteifigkeit der finalen Orthese.
Hinweis: Mit dem Verlauf beeinflussen Sie die Steifigkeit der Orthese in den jeweiligen Bereichen. Für die quer verlaufenden Bereiche können Sie auch Fertigarmierung verwenden.

Schritt 8/12

Isolieren Sie alle Schraubengewinde sowie sämtliche Vertiefungen und Rillen des Montage-/Gießdummys mit Isolierwachs.
Hinweis: Verwenden Sie eine kleine Spritze, um das Isolierwachs einfach und gezielt auftragen zu können.

Schritt 9/12

Isolieren Sie die Gelenkflächen des Systemfußbügels und das Gelenkoberteil mit einer dünnen Schicht Isolierwachs. Füllen Sie ebenso alle Vertiefungen und Rillen, die frei von Harz bleiben sollen. Isolieren Sie auch die Gleitscheibe.

Schritt 10/12

Montieren Sie den Montage-/Gießdummy entsprechend der Explosionszeichnung. Füllen Sie alle Vertiefungen, Rillen und Schraubengewinde mit Isolierwachs.
Hinweis: Explosionszeichnungen finden Sie in unserem Produktkatalog Systemgelenke und Systemgelenkschienen.

Schritt 11/12

Reinigen Sie alle Bereiche, die später ins Laminat eingebettet werden (von allen Seiten). Entfernen Sie Isolierwachs- und Fettreste.

Schritt 12/12

Ziehen Sie Carbonfaser-Flechtschlauch über den Systemfußbügel sowie den Profilkern (inkl. Systemanker). Fixieren Sie ihn möglichst gelenknah durch Vernähen und/oder Umwickeln mit Aramidfaser-Roving. Strecken Sie dann die Fasern und fixieren ggf. auch das andere Ende.
Wichtig! Nur die gestreckte Faser kann Last aufnehmen und wieder abgeben!

 AFO gießen

Schritt 1/5

Diese Arbeitstechnik ist speziell auf unser Epoxidharz und unseren Härter zugeschnitten.
Wichtig! Beachten Sie die Verarbeitungshinweise und das Sicherheitsdatenblatt zum Epoxidharz und Härter. Halten Sie das Mischungsverhältnis exakt ein und vermischen Sie Harz und Härter gründlich.

Schritt 2/5

Rühren Sie eine ausreichende Menge Harz und Härter an. Lassen Sie die Fasern beim Gießen gut durchtränken und reiben Sie überschüssiges Harz heraus.

Schritt 3/5

Pressen Sie das Fußteil aus, um den bestmöglichen Faservolumenanteil zu erreichen. Schützen Sie dabei die Folie mit einem Stück Polstermaterial und achten Sie darauf, die Form der modellierten Sprengung beizubehalten.

Schritt 4/5

Der Aufpressdummy erhöht den Faservolumenanteil im Systemgelenkbereich und erleichtert die spätere Montage der NEURO SWING Deckplatte. Richten Sie den Aufpressdummy passend zum Gelenkoberteil aus und fixieren Sie ihn mit Klebeband.

Schritt 5/5

Lassen Sie das Modell über Nacht (mindestens 10 Stunden) unter Unterdruck bei Raumtemperatur stehen.
Wichtig! Beachten Sie auch hier die Verarbeitungshinweise zum Epoxidharz.

 AFO zuschneiden

Schritt 1/6

Entfernen Sie die dünne Laminatschicht über dem Montage-/Gießdummy mit einem scharfen Messer.

Schritt 2/6

Markieren Sie die Schnittkanten auf dem Laminat. Verlängern Sie dafür die Schnittkanten des Montage-/Gießdummys, die einen möglichst gelenknahen Freischnitt der Orthese ermöglichen.

Schritt 3/6

Hebeln Sie den Montage-/Gießdummy vorsichtig aus dem Laminat. Achten Sie darauf, die Gelenkflächen des Systemfußbügels dabei nicht zu beschädigen.

Schritt 4/6

Sägen Sie mit einer oszillierenden Säge entlang der Schnittkanten, um die Orthesenteile vom Modell nehmen zu können. Auf der Abbildung sehen Sie das von uns empfohlene Sägeblatt. Damit können Sie sehr nah am Systemgelenk sägen, ohne es zu beschädigen.

Schritt 5/6

Entfernen Sie die nicht mehr benötigten Laminatteile.

Schritt 6/6

Nehmen Sie die Orthesenteile vorsichtig vom Modell. Diese sind noch nicht vollständig ausgehärtet. Beachten Sie dies beim Abnehmen der Orthesenteile, um Verformungen zu vermeiden. 

 AFO tempern und beschleifen

Schritt 1/4

Reinigen Sie alle Gelenkflächen sowie den Systemfußbügel, bevor Sie die Orthesenteile tempern. Erwärmen Sie vorhandene Wachsreste mit einem Föhn (1) und pusten Sie das flüssig gewordene Isolierwachs aus den Vertiefungen (2). Entfernen Sie Reste mit einem Tuch (3). Entfernen Sie auch den PVA-Folienschlauch.

Schritt 2/4

Tempern Sie die Orthesenteile, bevor Sie sie beschleifen. Legen Sie sie in den kalten Ofen und heizen Sie diesen langsam auf. Nach dem Tempern sind die Orthesenteile formstabil und lassen sich optimal bearbeiten.
Wichtig! Beachten Sie auch hier die Verarbeitungshinweise zum Epoxidharz.

Schritt 3/4

Beschleifen Sie die Kanten der Orthesenteile (z. B. mit einen Winkelschleifer). Vermeiden Sie jedoch unbedingt Sollbruchstellen im Metall! Achten Sie außerdem darauf, dass der flexible Bereich des Fußteiles eine ebene Fläche (ohne Kanten) ist.
Hinweis: Aramidfaser kann auch nach dem Tempern noch mit einer scharfen Schere bearbeitet werden.

Schritt 4/4

Entfernen Sie Harzreste mit einem scharfen Messer von den Gelenkflächen und polieren Sie sie anschließend (z. B. mit einem Marmorierkörper), um alle evtl. entstandenen Macken zu entfernen.

 Systemgelenk montieren

Schritt 1/1

Montieren Sie das Systemgelenk entsprechend der Montageanleitung in der Produktbeilage des jeweiligen Systemgelenkes.
Hinweis: Produktbeilagen finden Sie auch im Download-Bereich.

 Polstermaterial einsetzen

Schritt 1/3

Schneiden Sie ein klettbares Polster für die Orthese zu (z. B. aus xDry Frottee-Polstermaterial).
Hinweis: Sie können den Polsterdummy als Vorlage verwenden.

Schritt 2/3

Kleben Sie die Kletthakenpunkte an geeigneten Stellen in die Orthesenschalen. Befestigen Sie das Polster.

Schritt 3/3

Jetzt kann die Orthese anprobiert werden.

 Aufbau der Orthese

Schritt 1/1

Der Aufbau der Orthese erfolgt auf Grundlage der individuellen, gangspezifischen Grundstellung des Patienten. Dies resultiert in einem möglichst physiologischen Gangbild in mid stance.