Anwendergeschichten

Ronald mit KAFO

Anwendergeschichte von Ronald Moerman

trägt eine Orthese mit NEURO TRONIC Systemkniegelenk und NEURO SWING Systemknöchelgelenk

Steckbrief

  • 1955 geboren
  • Lehrer in den Niederlanden
  • erste Orthese mit 2-3 Jahren

Ronald Moerman wird 1955 geboren. Ein Jahr später gibt es in den Niederlanden eine Poliomyelitis-Epidemie. Ronald Moerman kann bereits laufen, als seine Eltern plötzlich feststellen, dass er sich nicht mehr hinstellen kann. Damals ist er eineinhalb Jahre alt. Kurz darauf erhalten sie die Diagnose Poliomyelitis, auch Kinderlähmung genannt. Sein linkes Bein bleibt von diesem Zeitpunkt an gelähmt und wächst zudem langsamer als das rechte Bein.

Ronald Moermans Vater ist mit einem Arzt befreundet. Gemeinsam suchen sie nach einem Spezialisten, der seinem Sohn helfen kann. Dieser erhält bald darauf seine erste Orthese. Wie zur damaligen Zeit üblich, ist es ein schwererer Apparat aus Stahl und Leder, unbequem und kalt. Ein notwendiges Übel, um sein Bein zu stabilisieren.

Mit sechs Jahren steht die erste Operation an. Die Bänder und Sehnen an der Hüfte müssen verlängert werden, sodass funktionelle Beeinträchtigungen möglichst vermieden werden. Sechs Jahre später folgt die nächste Operation. Am gesunden Bein sollen die Wachstumsfugen des Knies zerstört werden. Ein damals übliches Vorgehen, um die Beinlängendifferenz auszugleichen. Zu diesem Zeitpunkt liegt diese bei Ronald Moerman bei ca. 7 cm. Es gibt nur einen schmalen Zeitraum, in dem der Eingriff erfolgen kann, da sich sonst die Wachstumsfugen schließen. Die Operation verläuft gut, die Differenz ist noch vorhanden aber kleiner als zuvor.

Rückblickend sagt Ronald Moerman, dass er eine ganz normale Kindheit hatte. Auch am Sportunterricht nimmt er so gut es geht teil. Nach Beendigung seiner Schullaufbahn wird er Lehrer. Zu anderen Polio-Erkrankten hat er keinen Kontakt. Erst mit der Entwicklung des Internets kommt eine bessere Vernetzung zustande. Es gibt mehr und mehr Informationen und bessere Austauschmöglichkeiten. Er sagt, für die meisten Menschen war es eine natürliche Entwicklung, doch er selbst war nahezu euphorisch über die Möglichkeiten des Internets.

Seit fast 60 Jahren trägt Ronald Moerman nun Orthesen. Die ersten aus Stahl und Leder, ungefähr im Jahr 2005 die erste leichte Carbonorthese mit gesperrtem Gelenk und schließlich, im Jahr 2007, erhält er eine Orthese mit dem automatischen Kniegelenksystem NEURO MATIC. Für ihn als Lehrer ist es wichtig, dass er sicher vor der Klasse auftritt. Wenn er mehr Sicherheit benötigt, sperrt er das Gelenk. Ist er mit seiner Familie unterwegs, schaltet er in den "Auto-Modus". In diesem Modus wird das NEURO MATIC bei Fersenkontakt und damit einhergehender Plantarflexion (Beugung des Fußes in Richtung Sohle/Boden) gesperrt. Durch ein leichtes Extensionsmoment bei der Fersenabhebung entsperrt das Systemkniegelenk, sodass die Bewegung wieder freigegeben ist.

Trotz seiner langjährigen Erfahrungen mit Orthesen gibt es für Ronald Moerman immer noch neue Impulse und Verbesserungsmöglichkeiten. Der Fortschritt der Technik sowie dazugewonnene Erkenntnisse hinsichtlich biomechanischer Zusammenhänge haben auch bei der aktuellen orthetischen Versorgung eine Rolle gespielt.
Seine neuste Orthese ist etwas anders aufgebaut. Entscheidend hierfür war die Stellung von Ronald Moerman während des Gipsabdruckes, dem ersten Schritt beim Bau einer Orthese. Da sie vorrangig beim Gehen unterstützen soll, ist Ronald Moermans Bein in einer der Gangphasen (mid stance) gegipst worden. Die Dynamik des Gehens ist quasi in ein festes Material übertragen worden. Der linke Fuß ist zudem kleiner und hat ein schwach ausgebildetes Fersenbein. Die neue Orthese hat aus diesem Grund ein anderes Fußteil bekommen. Es hilft ihm, die Hebelkräfte besser zu nutzen.
Alles in allem hat sich durch Änderungen am Aufbau der Orthese, Details der Gelenkfunktionen und dem Zusammenwirken der Systembauteile eine große Verbesserung für Ronald Moerman eingestellt. Sein Gangbild ist harmonischer geworden und er läuft sicherer als zuvor. Und das auch in Situationen mit schwierigem Untergrund oder vielen Menschen in seiner Umgebung, wie z. B. einer Einkaufsstraße.

Ronald Moerman wird auch in Zukunft Entwicklungen im Bereich der Orthesen verfolgen und mit Pioniergeist Neues ausprobieren. Wir sind gespannt auf seine weiteren Erfahrungen.