Orthetik

Orthetik

Was ist Orthetik

Die Orthetik ist ein Fachgebiet der Technischen Orthopädie. Vorhandene aber eingeschränkte Gliedmaßen werden dabei unterstützt, ihre Funktion zu erfüllen oder ihre Stellung zu korrigieren. Dabei kommen Orthesen zum Einsatz, die äußerlich angewendet werden. Sie entlasten, führen, korrigieren, mobilisieren oder immobilisieren und unterstützen funktional. Bei der Prothetik hingegen werden Gliedmaßen durch ein Hilfsmittel (Prothese) ersetzt.

Lähmungsorthesen, die dem Namen entsprechend bei einer Lähmung der unteren Extremität eingesetzt werden, übernehmen somit Funktionen, die das betroffene Bein nicht selbst ausführen kann. Das kann z. B. das Anheben des Fußes oder die Sicherung des Knies gegen ungewolltes Einknicken sein, was im ungünstigsten Fall zum Sturz führt.

Durch Lähmungen einzelner Fuß- und Beinmuskeln werden kompensatorische Bewegungen vorgenommen, um die eingeschränkten Funktionen auszugleichen. Dadurch kann es beispielsweise zur Fehlstellung der Wirbelsäule kommen. Das Tragen von Orthesen kann diese Folgeschäden vermeiden. Langfristig werden durch Orthesen Kosten im Gesundheitssystem reduziert.

Welche überwiegende Funktion die Orthese erfüllt, ist individuell vom Patienten abhängig. Braucht der Patient vor allem Sicherheit beim Stehen? Soll die Mobilität verbessert werden? Ist eine fußhebende Unterstützung notwendig? All diese Fragen werden zusammen mit dem Orthopädietechniker abgewogen, sodass die orthetische Versorgung bestmöglich geplant werden kann.

Orthetik im historischen Kontext und heute

Die Orthetik fristet im Gegensatz zur Prothetik auch heute noch ein stiefmütterliches Dasein. Fast jeder kennt den Begriff Prothese. Orthesen hingegen kennen nur wenige. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung aber auch in der Orthopädietechnik-Branche selbst, ist die Orthetik noch unterrepräsentiert. 

Nach den beiden Weltkriegen war die Zahl der Versehrten mit Amputation hoch. Im kollektiven Bewusstsein waren Menschen mit fehlenden Gliedmaßen somit sehr präsent. Ebenso das natürliche Bestreben, den Veteranen eine Linderung ihres Leidens mithilfe von Prothesen zu verschaffen. Die Notwendigkeit der Weiterentwicklung innerhalb der Orthetik und damit Inklusion von Menschen mit Behinderung war wenig präsent und rückte somit in den Hintergrund. 

Schwere Schienen-Schellen-Apparate aus Stahl und Leder beeinflussten lange Zeit das Bild einer Orthese für Patienten mit Lähmungen. Sowohl der mangelnde Komfort als auch die minderwertige Optik haben dazu beigetragen, dass die Akzeptanz bei Patienten sehr gering war. Aus der Perspektive von Orthopädietechnikern, Ärzten und weiterem Fachpersonal gab es zu wenige Vorteile in Hinblick auf die Funktion dieser Orthesen. Noch heute prägt dieses Bild die Vorstellung von Patienten und vielen Fachleuten. 

In den letzten Jahrzehnten ist die Orthetik wiederbelebt worden. Innerhalb einer kurzen Zeitspanne konnte durch neue Materialien, neue innovative Orthesengelenke sowie ausgefeilte Mechanik und Elektronik sowohl der Funktionsumfang von Orthesen ausgebaut werden als auch das Gewicht enorm reduziert werden.
Eine Ganzbeinorthese aus Stahl und Leder wog seinerzeit zwischen 3 und 5 kg, während das heutige Gewicht ca. 0,8 bis 1,3 kg beträgt. Auch der Komfort ist kaum vergleichbar mit den historischen Orthesen. Stellt man sich das Anlegen einer Orthese aus kaltem Stahl vor, ist nachzuvollziehen, dass ein warmes, weiches Polster weitaus angenehmer auf der Haut ist. Moderne, individuelle Lähmungsorthesen können heute optisch an die Vorstellung des Patienten angepasst werden. Die Akzeptanz des Hilfsmittels steigt dadurch wesentlich. 

In den sogenannten Industrieländern nimmt die Zahl der von Zivilisationskrankheiten (im Englischen treffend lifestyle diseases) Betroffenen zu. Diese Krankheiten wiederum haben weitere gesundheitliche Auswirkungen. Hierzu gehört beispielsweise ein Schlaganfall oder Herzinfarkt. Viele körperliche Beeinträchtigungen können heute orthetisch gut versorgt werden.
Ein Schlaganfall beispielsweise kann im schlimmsten Fall eine Lähmung von Arm und Bein nach sich ziehen. Das Anheben des Fußes und ein somit stolperfreies Gehen sind nur eingeschränkt möglich. Eine Orthese mit einem fußhebenden Orthesengelenk unterstützt beim Gehen, fördert das Gleichgewicht und bietet Sicherheit im Stehen. Die Lebensqualität vieler Menschen kann durch eine orthetische Versorgung erheblich gesteigert werden. 

Die Orthetik ist auf einem guten Weg, sich aus der Nische heraus zu begeben. Das Ziel muss sein, mehr Menschen durch Orthesen ein angenehmeres, mobiles Leben zu ermöglichen. Hierzu ist eine Verabschiedung des historisch geprägten Bildes in der öffentlichen Wahrnehmung notwendig. FIOR & GENTZ hat und wird auch weiterhin seinen Anteil dazu beitragen.

Orthetik bei FIOR & GENTZ

FIOR & GENTZ hat sich auf das Fachgebiet Orthetik und hierin mit Fokus auf die untere Extremität spezialisiert. Der Mangel an Fortschritt in diesem Bereich sowie der gleichzeitig akute Handlungsbedarf war die Motivation für diese Ausrichtung.
Das Ziel ist es, die Orthetik aus ihrer Nische zu holen und mehr Menschen Zugang zu einer besseren orthetischen Versorgung zu ermöglichen. 

Neben innovativen Orthesengelenken und Therapieschuhen entwickelt FIOR & GENTZ Arbeitstechniken sowie Konzepte zur orthetischen Versorgung. Weiterhin ist mit dem Start des Orthesen-Konfigurators im Jahr 2006 der Grundstein für ein transparentes Berechnungssystem für Orthesen gelegt worden. Die Belastbarkeit der Orthesengelenke sowie die passende Auswahl von Materialien und Werkzeugen kann mit dem Orthesen-Konfigurator effektiv berechnet werden. 

Sowohl im Bereich der Knöchelgelenke als auch der Kniegelenke hat FIOR & GENTZ in der Branche die Möglichkeiten für die individuelle Versorgung von Patienten mit Lähmungen ausgebaut. Orthesengelenke sind bei FIOR & GENTZ Systemgelenke: Sie sind konzeptionell und technisch so aufgebaut, dass Bauteile und –gruppen mehrfach verwendet werden können. Die Systemgelenke verfügen über unterschiedliche Funktionen, zusätzliche Einstellmöglichkeiten sowie in vielen Fällen über die Option der Umrüstbarkeit. So ist es möglich, aktiv auf den Therapieverlauf einzugehen.
Gleichzeitig sind auch die Arbeitstechniken zur Verarbeitung der Systemgelenke stetig weiterentwickelt worden. Der handwerkliche Prozess ist für den Erfolg ebenso entscheidend wie das Produkt, das eingesetzt wird. Moderne, leichte Materialien wie Carbon- und Aramidfasern sowie Gießharze haben den Orthesen zu einer extremen Gewichtsreduktion und einer zeitgemäßen, harmonischen Optik verholfen. 

2011 hat FIOR & GENTZ einen ersten Schritt in die konzeptionelle Richtung gewagt und das CP-Handbuch veröffentlicht. Auf Basis langjähriger Erfahrung in der Orthetik, wissenschaftlicher Recherche sowie Austausch mit nahestehenden Disziplinen ist ein Konzept für die orthetische Versorgung von CP-Patienten entstanden. 2014 folgte das Apoplexie-Handbuch sowie 2017 das Handbuch zu Rückenmarkläsionen.
Die Handbücher sollen einen Anstoß für die orthetische Versorgung bei Indikationen geben, für die sie vorher nicht in Erwägung gezogen wurde.

Seit Firmengründung im Jahr 1997 ist sowohl die Entwicklung des Unternehmens FIOR & GENTZ  als auch die Weiterentwicklung innerhalb der Orthetik für die untere Extremität wegweisend vorangeschritten. Das Potenzial, mehr Menschen durch eine adäquate orthetische Versorgung eine bessere Lebensqualität zu bieten, ist vorhanden. FIOR & GENTZ ist bestrebt, dieses Potenzial auch in der Zukunft bestmöglich zu nutzen.